Das ökologische Gartenhaus: Kriterien und Tipps

Ökologisches Gartenhaus Symbolbild

Wer im Garten der Natur näher sein will, wünscht sich häufig ein möglichst ökologisches Gartenhaus.  Was genau darunter zu verstehen ist, bleibt oft ein wenig verschwommen: Gehören Solarzellen auf dem Dach unbedingt dazu? Welcher Anstrich ist wirklich umweltfreundlich?  Dieser Ratgeber gibt Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das ökologische Gartenhaus – vom Material über die Ausstattung bis zur Einrichtung.

Inhalt:

  1. Was bedeutet „ökologisch“ bei einem Gartenhaus?
  2. Die beste Wahl: Ein Gartenhaus aus Holz
  3. Das Gartenhaus umweltfreundlich streichen
  4. Nachhaltigkeit durch Qualität: Merkmale langer Haltbarkeit
  5. Gut gepflegt hält länger!
  6. Heizen, dämmen, Energie sparen
  7. Sonnenenergie im Gartenhaus?
  8. Das Gründach:  Dämmung und Dach-Biotop
  9. Regenwasser sammeln: Dachrinne und Regentonne
  10. Nachhaltig einrichten:  Gebrauchtes weiter nutzen

Was bedeutet „ökologisch“ bei einem Gartenhaus?

Ursprünglich verstand man unter „Ökologie“ lediglich einen Teilbereich der Biologie, der sich mit den Wechselwirkungen zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt befasst.  Mittlerweile ist der Begriff „ökologisch“ zum viel genutzten Synonym für „umweltfreundlich“ geworden.

Als ökologisch sinnvoll oder zumindest vertretbar gelten nachhaltig produzierte Produkte, die die Umwelt möglichst wenig belasten, ihr im besten Fall sogar etwas bieten.  Sparsamer Umgang mit Ressourcen und Energie, Vermeidung unnötigen Konsums, Bevorzugung langlebiger, reparierbarer Dinge – das alles gehört zum nachhaltigen Lebensstil und lässt sich auch im Lebenszyklus eines Gartenhauses umsetzen.

Materialien, Qualitätsmerkmale,  Ausstattung, Einrichtung und Pflege – an vielen Stellen bietet sich die Möglichkeit, das eigene Gartenhaus umweltfreundlich zu gestalten.

Die beste Wahl: Ein Gartenhaus aus Holz

Holz ist ein nachwachsendes Naturmaterial, dessen Umweltfreundlichkeit von keinem anderen Baustoff erreicht wird. Es bindet das klimaschädliche CO² über lange Zeit,  lässt sich weitgehend schadstofffrei bearbeiten und ist problemlos zu entsorgen. Dabei ist Holz nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für Menschen: Es bietet ein gesundes Raumklima, gleicht Temperatur und Feuchtigkeit aus und erschafft eine sehr gemütliche Atmosphäre. Im Holz wurden bisher noch keine Allergene gefunden, eine äußerst schätzenswerte Eigentschaft!

Optisch fügt sich ein Gartenhaus gut in jede natürliche Umgebung, wogegen Metall oder Kunststoff  wie Fremdkörper wirken.  Dennoch ist nicht jedes Holz umweltfreundlich: Tropenhölzer sind wegen des Raubbaus an den Regenwäldern und der langenTransportwege alles andere als nachhaltig. Als Material für Gartenhäuser ist Tropenholz zwar wegen des hohen Preises nicht üblich, doch  sollte es im ökologischen Gartenhaus auch als Terrassen- oder Bodendiele vermieden werden.

Optimal sind heimische Holzarten aus europäischen Wäldern, die in großen Mengen vorhanden sind und regelmäßig nachwachsen. Gern genutzt wird skandinavische Fichte, die im kühlen Klima des Nordens sehr langsam wächst und deshalb eine gute Haltbarkeit entwickelt.  Auch heimische Kiefer ist ökologisch ok,  doch hat dieses Holz wegen der häufigeren Astlöcher einen deutlich geringeren Marktanteil.

Kiefer und Fichte im Vergleich
Kiefer- und Fichtenstämme im Farbvergleich

Das Gartenhaus umweltfreundlich streichen

So umweltfreundlich Holz für sich genommen auch ist:  Mit den falschen Anstrichen kann es seinen ökologischen Wert weitgehend verlieren. Gängige Lösungsmittel in Holzschutzmitteln, Lasuren und Lacken dünsten aus dem Holz aus,  weswegen sie in Innenräumen schon aus Geundheitsgründen vermieden werden sollten.  Gartenhäuser aus Holz werden meist naturbelassen geliefert, also hat man hier die Wahl, für Mensch und Umwelt möglichst verträgliche Produkte auszuwählen.

Ein Gartenhaus bekommt in der Regel mindestens zwei Anstriche, nämlich die Imprägnierung und die darauf folgende Farbbehandlung.

  1. Die Imprägnierung schützt das Holz vor Bläue, Schimmel, Fäulnis und Pilzbefall. Als Alternative zu lösemittelhaltigen Produkte sind auch Imprägnierungen auf Wasserbasis erhältlich. Sie sind leichter zu verarbeiten,  Pinsel und Rollen lassen sich mit Wasser reinigen. Die Zusammensetzungen wasserbasierter Produkte hat sich seit den Versionen der 90ger-Jahre stark verbessert, so dass auch mit ihnen erfolgreich imprägniert werden kann.
  2. Lasuren oder Lacke folgen auf die Imprägnierung.  Lasuren lassen die natürliche Holzstruktur durchscheinen, weil sie weniger Pigmente enthalten. Lacke decken ihren Untergrund vollständig ab. Umweltfreundlich Produkte bestehen hauptsächlich aus Naturharzen, Ölen und weiteren wasserbasierten Inhaltsstoffen, die das Holz schützen, die Verarbeitung erleichtern und schnell trocknen.

So gut das alles auch klingt: Komplett ohne Lösungsmittel kommen auch wasserbasierte Produkte in der Regel nicht aus. Sie enthalten aber deutlich weniger davon als die lösemittelbasierten Varianten.

Nachhaltigkeit durch Qualität: Merkmale langer Haltbarkeit

Ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit ist die Langlebigkeit eines Produkts.  Je länger es genutzt wird, desto besser werden die Ressourcen der Erde geschont. Ein Gartenhaus aus Holz kann locker mehrere Jahrzehnte überstehen, doch muss dafür auch die Qualität stimmen.

Oft sind es vermeintlich unbedeutende Details, die zur Langlebigkeit des Gartenhauses viel beitragen:

  • Der Dachüberstand schützt Außenwände und Türen vor den Einflüssen der Witterung. Es macht einen Unterschied, wie weit das Dach übersteht. Jeder Zentimeter mehr hält mehr Regen ab, der ansonsten die Wand treffen und dort zum Verschleiß beitragen würde.
  • Gummidichtungen an Türen und Fenstern sorgen für die optimale Abdichtung gegen Wind und Feuchtigkeit. Sie tragen auch zur Dämmung des Gartenhauses bei und die Fenster schließen leiser.  Wo sie fehlen, wird bei entsprechendem Wind schon mal Wasser ins Gartenhaus gedrückt – nicht so gut für die Haltbarkeit!
  • Aluminium-Wasserschenkel verlängern die Lebensdauer der Fensters, denn sie schützen den am meisten beanspruchten Bereich. Ebenso schützen metallene Türschwellen vor Abrieb durch das häufige Betreten.
  • Sturmsicherung:  Es gibt mehrere Systeme, nämlich Sturmleisten,  innenliegende Gewindestangen, sowie Windverankerungssets und Sturmwinkel. Mindestens eins davon sollte vorhanden sein, um die Stabilität des Gartenhauses auch bei heftigen Böen zu garantieren.

Es lohnt sich, schon beim Kauf die jeweiligen Qualitätsmerkmals zu vergleichen, denn ein vermeintlich günstiger Preis bedeutet häufig auch den Verzicht auf Qualität im Detail.

Qualitätsmerkmale

Gut gepflegt hält länger!

Ein Gartenhaus aus Holz ist grundsätzlich robust, doch sollte es regelmäßig auf etwaige Schäden wie z.B. undichte Stellen überprüft und bei Bedarf ausgebessert werden. Je nachdem, wie intensiv es den Einflüssen der Umwelt (Regen, Wind, Schnee, direkte Sonne) ausgesetzt ist, braucht es in gewissen Abständen auch einen neuen Anstrich.

Wie häufig das sein muss, richtet sich nach dem regionalem Klima und dem jeweiligen Standort des Hauses: je intensiver es von der Witterung „mitgenommen“ wird, desto häufiger bedarf es pflegender Anstriche.  Ganz pauschal betrachtet sind Lasuren alle zwei Jahre zu erneuern, deckende Farbanstriche können auch vier bis fünf Jahre halten.

Heizen, dämmen, Energie sparen

Energie sparen ist ein heraus ragender Aspekt nachhaltigen Lebens und Wirtschaftens. Aber natürlich möchte man es auch angenehm warm haben, wenn das Gartenhaus auch im Winter zum Wohnen genutzt wird.  Und egal ob mit Strom, Gas oder mit dem beliebten Kaminofen geheizt wird: Der Energiebedarf fürs Heizen ist im Vergleich mit anderen Verbrauchern der größte Posten. Auch ein Holzofen verbraucht Heizmaterial und emittiert CO², das ansonsten noch lange im Holz gebunden geblieben wäre.

Um den Energieverbrauch und damit auch die Heizkosten möglichst gering zu halten, lässt sich jedoch einiges tun. Es beginnt schon beim Kauf:

  • Die Wandstärke von Gartenhäusern,  die auch zum Wohnen genutzt werden, sollte nicht unter 40/44 mm betragen, besser noch 70 mm und mehr. Dann verfügt das Haus schon von alleine über eine bessere Dämmung als all jene Modelle, die nur 28 mm dünne Wände haben oder gar weniger.
    Wandstärken für Gartenhäuser
  • Die Fenster und eventuell verglaste Türen des Gartenhauses sollten mit einer Isolierverglasung versehen sein. Das macht einen großen Unterschied im Vergleich zu bloßem „Echtglas“!

Es geht aber noch mehr: Eine zusätzliche Dämmung von Boden, Dach und Wänden spart noch deutlich mehr Heizenergie als Wandstärke und Iso-Fenster alleine. Ob sich der Aufwand lohnt, wird davon abhängen, wie intensiv die winterliche Nutzung sein wird, sinnvoll ist sie eigentlich immer. Die Dämmung spart nämlich nicht nur Heizenergie und Kosten, sondern schützt im Sommer auch den Innenraum vor zu starker Aufheizung.

Zur Isolierung im ökologischen Gartenhaus sollten vornehmlich natürliche Materialien wie Hanffaser, Holzwolle oder Mineralwolle  genutzt werden. Diese emittieren weder gesundheitsschädliche Gase noch werden sie später zum Entsorgungsproblem.

Sonnenenergie im Gartenhaus?

Ja, es ist möglich: Mit einer kleinen Photovoltaikanlage lässt sich das Gartenhaus beleuchten, ein Kühlschrank betreiben, sowie Radio und TV mit Strom versorgen. Auch kleine Teichpumpen werden häufig mit Solarstrom betrieben.Für die Heizung und für so manche Werkzeugmaschine reicht es allerdings in der Regel nicht.

Obwohl das Solarpanel auf dem Dach meist als Inbegriff ökologischen Wohnens gilt, so ist doch zu bedenken, ob das auch für ein vergleichsweise kleines Gartenhaus gilt! Denn: Sonnenstrom ist zwar kostenlos, die Solaranlage jedoch nicht. Auch sie verbraucht in der Produktion Materialien und Energie, so dass sich die Frage stellt, ob die geplante Nutzung den Aufwand tatsächlich lohnt. Steht das Gartenhaus in der Nähe des Wohnhauses, um als Rückzugsort, Homebüro oder Hobbyraum zu dienen, ist die Verlegung einer Stromleitung vom Haupthaus aus meist die ökologischere Lösung.

Im kleinen Maßstab ist Solarstrom mit wenig Aufwand nutzbar: Die Wege zum Gartenhaus lassen sich mit Solarleuchten markieren, die keine Anlage benötigen und sich tagsüber mittels eigener kleiner Solarfelder selbst aufladen.

Oft ist Strom auch gar nicht zwingend nötig: Kerzen, Fackeln und Windlichter zaubern im Garten eine weit romantischere Atmosphäre als jede elektrische Beleuchtung.

Das Gründach: Dämmung und Dach-Biotop

Gründach auf Gartenhaus

Eine Dachbegrünung macht ein Gartenhaus zum Hingucker: Schon von Weitem ist es als ökologisches Highlight erkennbar, das die Nachbarn vielleicht sogar zum Nachdenken anregt. Ein Gründach gibt der Natur die Fläche zurück, die ihr durch seinen Aufbau genommen wurde. Das Dachgrün bindet CO² aus der Luft und gibt Insekten Lebensraum, die wiederum Vögeln als Nahrung dienen. Rund um das Gartenhaus entsteht ein angenehmes Kleinklima, denn die Schicht lebendiger Pflanzen und Erde speichert Regen, die Feuchtigkeit verdunstet langsam in die Umgebung.

Der Nutzen für die stolzen Besitzer: Das Dach selbst wird durch die Begrünung vor UV-Strahlen, Frost und Hagel geschützt. Daneben funktioniert die Schicht aus Erde und Pflanzen hervorragend als Dämmung gegen Kälte und sommerlicher Hitze.

Für Gartenhäuser wird üblicherweise eine „extensive“ Dachbegrünung gewählt. Diese benötigt nur eine 6 bis 12 cm hohen Substratschicht, wogegen die „intensive“ Dachbegrünung sehr viel mehr Erde erfordert und eher für die Dachgärten größerer Gebäude in Betracht kommt. Angepflanzt werden robuste, trockenheitsliebende Pflanzen wie Moose und Sukkulenten, Kräuter und niedrige Gräser.

Anders als viele denken, ist ein extensiv begrüntes Dach sehr pflegeleicht, denn abgesehen von der Anwachsphase muss es nicht bewässert werden.

Realisieren lässt sich eine solche Dachbegrünung auf Gartenhäusern mit Flachdach, sowie auf Schräg- und Pultdächern bis 8 bis 9° Neigung. Ist die Neigung steiler, wird es aufwendiger, denn dann braucht die Begrünung stützende Konstruktionen, um einen geregelten Wasserhaushalt zu gewährleisten und das Abrutschen der Bepflanzung zu verhindern.

Lesen Sie mehr über die verschiedenen Gründächer, ihren Aufbau und die Bepflanzung in unserem Ratgeber „Dachbegrünung auf dem Gartenhaus„.

Regenwasser sammeln: Dachrinne und Regentonne

Zum ökologischen Gartenhaus gehört auch die Nutzung von Regenwasser statt des aufwändig aufbereiteten Trinkwassers aus dem Wasserhahn.  Auch für die Gartenpflanzen ist Regenwasser ideal, denn es ist nahezu kalkfrei und hat die Temperatur der Umgebung.  Als „Brauchwasser“ ist das Wasser aus der Tonne z.B. zum Putzen verwendbar. Vögel und Insekten mögen es lieber als Leitungswasser.

Eine Regenrinne rund ums Gartenhausdach gehört zum Standard eines ökologischen Gartenhauses. Sie sammelt das kostenlose Regenwasser und leitet es in eine Regentonne oder ein unterirdisches Wasserreservoire. Auch an modernen Gartenhäusern lässt sich eine Regenrinne leicht anbringen, häufig verschwindet sie optisch unter der Frontblende.

Die Nutzung des Regenwassers schont auch den Geldbeutel, denn es macht sich durchaus bemerkbar, wenn das Gießwasser nicht aus der Leitung kommt!

Nachhaltig einrichten: Gebrauchtes weiter nutzen

Palettenmöbel

Bei der Einrichtung des Gartenhauses geht es darum, unnötigen Konsum zu vermeiden, um Ressourcen zu sparen. Das klingt erst einmal nach Askese, in Wirklichkeit ist es ein kreatives Hobby geworden, das vielen richtig Spaß macht!

Da die Geschmäcker verschieden sind, sind auch die Ergebnisse des „ökologischen Einrichtens“ sehr verschieden. Dennoch gibt es Trends und Gemeinsamkeiten, zumindest in den Materialien und in den Herangehensweisen:

  • Naturmaterialien statt Kunststoffe, das gilt für Möbel, Textilien und Bodenbeläge gleichermaßen.
  • Recycling: alte Lieblingsstücke, Flohmarkt und Dachbodenfunde, ausrangierte Möbel aus Großmutters Zeiten führen im Gartenhaus gerne ein zweites Leben und werden in Ehren gehalten.
  • Upcycling: aus Dingen, die sonst weggeworfen würden, etwas Neues machen. Ein bekanntes Beispiel sind etwa die Palettenmöbel, die als Lounge-Sessel, Couchtische und Regale weiter genutzt werden.

Wie  Sie sehen, gibt es vielerlei Ansatzpunkte, ein Gartenhaus ökologisch zu gestalten. Auch wenn Sie nicht gleich alle Punkte umsetzen, ist jeder einzelne Schritt schon ein Beitrag zum nachhaltigeren Umgang mit den Ressourcen der Natur.